Prag anders

 Obwohl es schon später Nachmittag war, als sich die Straßenbahn mit uns gen Stadtmitte in Bewegung setzte, erfüllte uns das Lebensgefühl der uns wohlbekannten Stadt. Das Ziel unseres Urlaubs war diesmal nicht die Besichtigung typischer Touristenziele, sondern die vertiefte Beschäftigung mit Besonderheiten und Spezialitäten der Stadt, fernab von den klassischen Besucherstrecken. Dennoch verbrachten wir unseren ersten Abend im Nachbarland mit einem Bummel über den Wenzelsplatz und die bekannte Karlsbrücke, sowie einem ausgiebigen Spaziergang entlang des Moldauufers. Da die meisten von uns nun schon zum dritten oder vierten Mal die tschechische Hauptstadt besuchten und wir dabei stets viel erlebten und besichtigten, erschien uns die Stadt in mancherlei Hinsicht wie das bekannte Heimatdorf, durch welches man lief. Metrostationen, Sehenswürdigkeiten, Gebäude und Plätze kamen uns so bekannt vor, dass wir wussten, für die kommende Woche wird Prag wahrlich unser kleines Zuhause sein. Nach dem Abendessen konnten wir zum ersten Male Prag bei Nacht bewundern und ließen den ersten Abend bei einem weiteren Spaziergang entlang der Moldau bei einer Kofola gemütlich ausklingen.

Friederike Lehmann

Dienstag, den 9. Oktober

Unser erster Tag in Prag hat mit einer Vorlesung in der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität begonnen.  In einem großen Vorlesungssaal hörten wir uns ein 90min Vorlesung über das Thema Philosophie an. Danach fuhren wir zum Vyšehrad, wo wir uns die Gräber berühmter tschechischer Persönlichkeiten anschauten, wie zum Beispiel von Bedřich Smetana. In der St.-Peter-und-Paul-Kirche konnten wir den alten Bau auf uns wirken lassen. Nach einer kurzen Freizeit und einem leckeren Mittagessen trafen wir uns mit den Nachbarn von Frau Štiller. Der 17jährige Honza lud uns in ein schönes Café ein, wo wir mit Ihm ein bisschen tschechisch redeten. Gestärkt begaben wir uns auf den steilen Weg zum Kloster Strahov nahe Hradschin. Dieser beherbergt neben einer alten und großen Bibliothek auch eine eigene Bierbrauerei. Mit der Straßenbahn fuhren wir durch die überfüllten Straßen Prags zum Abendessen und anschließend gingen wir ins Kino zum neuen tschechischen Film „Toman“, welcher in uns einen tiefen Eindruck hinterließ. So haben wir schon am ersten Tag in Prag viel Neues erfahren und erlebt.                                                                                    Weronika Šnajdrec

Mittwoch, den 10. Oktober

Am Mittwoch, den 10.10. und somit auch unserem 3. Tag in Prag besuchten wir zum zweiten Mal eine Vorlesung an der Karlsuniversität. Danach machten wir uns auf den Weg zum Prager Stadtteil “Žižkov”, um einen Blick auf und in das Mausoleum auf dem Vitkov-Hügel zu werfen. Vom Dach des Mausoleums, welches ein patriotisches Monument zu Ehren des Hussitenanführers Jan Žižka ist, genossen wir einen wunderschönen Ausblick auf Prag. Nachdem wir uns in einer Gaststätte am Mausoleum mit typischem tschechischen Essen gestärkt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg ins Zentrum von Prag. Dort bestaunten wir eines der nationalen Symbole Prags, nämlich das Nationaltheater. Durch eine tschechische Führung erfuhren wir mehr über die Geschichte und den Baustil des Theaters.                                                                                                           Cäcilia Neterec

Donnerstag und Freitag, den 11. und 12. Oktober

Auch am Donnerstag besuchten wir die Karlsuniversität, nach der Philosophie und Urzeit erfuhren wir diesmal etwas über die tschechische Morphologie. Gleich neben der Philosophischen Fakultät schauten wir uns die jüdische Altstadt mit bekannten Synagogen und dem sehr gut besuchten Friedhof an. Unser Ziel war Letná, wo heute ein Metronom steht, in den 50er Jahren des 20. Jahrhundert stand dort aber ein riesiges Stalin-Denkmal. Stalin hatte einen guten Blick durch die Pariser-Straße auf den Altstädter-Ring und hatte so die Hauptstadt Tschechiens „unter Kontrolle“. In den 60er Jahren wurde das Denkmal zerstört und heute kann man nur noch den Keller  besuchen, wo sich die Reste des Denkmals befinden. Auch vom Metronom hatten wir einen wunderschönen Blick auf die Stadt, so wie die letzten Tage vom Vítkov, Hradschin, Vyšehrad und Strahovský Kloster aus. Wir konnten von allen Himmelsrichtungen die Altstadt bewundern und das sonnige Wetter war die ganze Woche auf unserer Seite. Nach einer kurzen Pause gingen wir zurück ins Zentrum auf den Wenzelsplatz, und im kulturellen Zentrum Palast Lucerna, welches in den 30er Jahren von Václav Havel, dem Onkel des ersten demokratischen Präsidenten Václav Havel gegründet wurde, zum Mittagessen. Der restliche Nachmittag diente den persönlichen Interessen - Einkaufen, Bummeln durch die Stadt oder Anschauen von noch nicht entdeckten Ecken und Sehenswürdigkeiten. Als die Sonne langsam unterging, liehen wir uns ein Tretboot an der Moldau aus und fuhren am Nationaltheater, Goethe-Institut, der Karlsbrücke, dem Tanzendem Haus etc. vorbei und ließen uns in die abendliche Atmosphäre des alten Prag entführen. Nach dem Abendbrot im tschechischen Restaurant Koruna unternahmen wir noch eine Reise ins Mittelalter - wir hörten uns die Straßenmusikanten auf der Karlsbrücke an und schlichen durch die engen Gassen auf der Kleinseite zur Prager Burg, wo wir nach einer unangenehmen Kontrolle unserer Rucksäcke die ganze Burg mit der Goldenen Gasse nur für uns hatten. Kurz nach 21 Uhr verließen wir den Hradschin und nach einem kurzen Halt im Studentenclub Celetná fuhren wir mit der U-Bahn müde zurück in unser Hotel. 

                                                                                                                            Jana Štillerová